Lokale Gewerbe- oder Handwerksbetriebe und kleinere Läden, wie der Sanitärunternehmer, der Schreiner, der Maler, die Grafikerin, der Bäcker und der Metzger, die Gemüseproduzentin, die Gärtnerei und, und, und. Alles Geschäfte, die hier in Chur vor Ort ihre Waren und Dienstleistungen anbieten. Auf dieses dichte und nahe Netzwerk können wir uns verlassen – auch weil man sich kennt, weil die Anbieter die Bedürfnisse der Kunden kennen und achten. Lokales Gewerbe und Handel mit ihrer Verankerung in der Region schaffen vor Ort Arbeitsplätze. Sie tragen auf ihre Art aber auch zum Umwelt- und Klimaschutz bei. Die Wege vom Produzenten zur Verbraucherin sind kurz. Gerade in Zeiten der Krise sind das überaus wichtige, eben «systemrelevante» Faktoren. Aber auch danach.

Ich habe mich in diesen Tagen sehr gefreut: endlich wieder Wochenmarkt, noch mit reduziertem Angebot zwar und mit weniger und weit auseinander liegenden Ständen als im Regelbetrieb. Dafür steht uns das Angebot von Mittwoch bis Samstag zur Verfügung. Die meisten Produzenten haben  trotz Einschränkungen entschieden, für die Kunden vor Ort präsent zu sein. So können wir wieder mit der Bäuerin schwatzen, und allerlei hochwertige Produkte aus den Regionen kaufen, Salat, Spargeln, Käse oder Setzlinge für den eigenen Garten. Noch mehr freut mich, dass die Produzenten bestätigen, dass die Nachfrage nach regionalen Produkten in der Coronakrise tatsächlich gestiegen ist.

Wir tun gut daran, wenn wir uns auf diese Haltung auch nach dem nächsten Öffnungsschritt ab dem 11. Mai besinnen und die lokalen Anbieter bei unseren Kaufentscheiden berücksichtigen. Wir haben ja das Glück, dass wir fast alles vor Ort beschaffen können. Als Tochter aus einem Bündner KMU habe ich früh mitbekommen, wie wichtig es für die Arbeitsplätze ist, dass Dienstleistungen und Produkte regional gekauft und Arbeitsaufträge vor Ort vergeben werden. Ein Patron, ob Mann oder Frau, steht hin für die Angestellten, für seine Dienstleistungen und Waren. Er oder sie schaut den Kunden in die Augen und nimmt auch die soziale Verantwortung gegenüber den Angestellten wahr. Man kennt sich, man vertraut sich. Tragen wir dazu Sorge, indem wir das lokale Gewerbe unterstützen. Onlinegiganten sind diese Werte egal. Sie tragen hier bei uns auch kaum zur Wohlstandsmehrung bei.

Ich bin in diesen Tagen oft der Frage begegnet, ob die Welt nach Corona eine andere sein wird, als davor. Ich denke (und bin mir fast sicher), dass sich auch viele von Ihnen mit dieser Frage auseinandersetzen. Versuchen wir doch das Gute aus dem Lockdown beizubehalten. Wie gut wird es uns tun, die Rücksicht und die Solidarität, zu der wir in der Krise «verknurrt» wurden, weiterzuführen auch nach Corona. Es ist auch eine Form von Freiheit, Gewohnheiten und Eingeschliffenes zu überdenken. Man muss nicht gleich das Leben ändern, aber man kann durchaus das Ändern leben.

Herzlich

Ihre Anita Mazzetta

Als Tochter aus einem Bündner KMU habe ich früh mitbekommen, wie wichtig es für die Arbeitsplätze ist, dass Dienstleistungen und Produkte regional gekauft und Arbeitsaufträge vor Ort vergeben werden.
Anita Mazzetta, Kandidatin für den Churer Stadtrat