Mir kommt es vor, wie wenn ein Patient sachte aus dem Koma zurück ins Bewusstsein geführt wird. Verständlicherweise sind nicht alle gleich glücklich über das bundesrätliche Vorgehen. Ich denke an die Gastronomie, hier muss schnell nachgebessert werden. Die Branche braucht Planungssicherheit. Ebenso der Tourismus, wo man eine – wenn auch reduzierte – Sommersaison planen möchte.

Viele Churer Betriebe leiden arg. Da war es ein gutes und nötiges Zeichen des Gemeinderats, diese Woche eine digitale Sitzung durchzuführen. Nach einer langen und sicher (technisch bedingt) mühsamen Sitzung, hat die städtische Legislative schliesslich dem Corona-Fonds in Höhe von einer Million Franken zugestimmt. Das ist gut so. Die Stadt kann so, ergänzend zu den Massnahmen des Kantons und des Bundes, Institutionen und Betriebe unterstützen, die durch die Maschen fallen würden. Und bei dieser Gelegenheit wurde auch (fast) allen klar, dass der Ruf der SVP nach einer Steuersenkung nach dem guten Rechnungsabschluss 2019 in diesen Tagen völlig deplatziert war.

Wie sehen Gewerbe und Detailhandel in Chur nach der Corona-Krise aus? Es kann sein, dass es nicht alle schaffen, wieder Tritt zu fassen. Für einige könnte der Ausfall schlicht zu hoch sein, um die Beiz oder den Laden weiter zu betreiben. Um das nach Möglichkeit zu verhindern, braucht es die Solidarität von uns allen: die lokalen Produzenten, Läden, Gastrobetriebe, Veranstalter und Dienstleister gilt es in Zukunft vermehrt und nachhaltig zu unterstützen. Nur so bleibt die Stadt lebendig. Anonyme Online-Riesen wie Amazon, Zalando & Co. tun nichts für unsere Stadt, unseren Kanton, unser Land. Umdenken ist ein Gebot der Stunde.

Und wenn wir schon beim Umdenken sind. In den letzten Wochen haben viele Menschen auf Balkonen und an Fenstern ihre Unterstützung für das Pflegepersonal und die Arbeitenden in den Grossverteilern – mehrheitlich sind es Frauen – mit Applaus kundgetan. Das ist gut. Aber: Ich würde eigentlich künftig gern einmal auf dem Balkon stehen und den Firmenverantwortlichen und Politikern applaudieren, weil sie die Löhne und Arbeitsbedingungen dieser Menschen, die so viel und so grosses leisten,  verbessert haben.

Starten Sie gut in die Corona-Woche 5, bleiben Sie zuversichtlich, solidarisch und… bleiben Sie gesund.

Herzlich

Ihre Anita Mazzetta

Die lokalen Produzenten, Läden, Gastrobetriebe, Veranstalter und Dienstleister gilt es in Zukunft vermehrt und nachhaltig zu unterstützen. Nur so bleibt Chur lebendig.
Anita Mazzetta, Kandidatin für den Churer Stadtrat