Corona hat nichts an der Dringlichkeit dieser Anliegen geändert. Die systemrelevante Arbeit, die grossmehrheitlich Frauen fürs Funktionieren der Gesellschaft leisten, hat zwar in den letzten Wochen sehr viel Aufmerksamkeit genossen. Doch Applaus allein reicht nicht. Die Angestellten im Spital, in der Pflege, in den Kitas arbeiten meist ohne Gesamtarbeitsvertrag und mit tiefen Löhnen. Fakt ist, dass die Arbeit von Frauen gegenüber derjenigen von Männern massiv unterbewertet ist. Das wirkt sich auch auf die Renten der Frauen aus. Tiefe Löhne und Betreuungsarbeit, die immer noch grossmehrheitlich von den Frauen geleistet wird, führt zu tiefen Renten. Jede 5. Frau in der Schweiz gibt zudem an, dass sie sexuell belästigt wurde. Einmal mehr haben Frauen darum heute Respekt, mehr Lohn, mehr Zeit gefordert – friedlich, bunt und laut.

Dieses Jahr wurde der Frauenstreik von der Corona-Krise etwas ausgebremst. Doch nächstes Jahr stehen gleich mehrere wichtige Jubiläen für die Gleichstellung an: 50 Jahre Frauenstimmrecht in der Schweiz, 40 Jahre Gleichstellung in der Verfassung, 30 Jahre seit dem ersten Frauenstreik, 25 Jahre seit der Einführung des Gleichstellungsartikels. Diese Jubiläen werden die Frauen mobilisieren. Denn vieles, was auf dem Papier steht, merken Frauen nach wie vor nicht in ihrem Alltag. In der Gesellschaft, Wirtschaft und Politik entscheiden Frauen auch heute noch kaum mit. In Führungs- und Entscheidungspositionen fehlen die Frauen auch in Graubünden. In der Wirtschaft sind es gerade einmal 3%, in Gesundheit und Soziales 38%, in der öffentlichen Verwaltung 16%, im Grossen Rat 22%. Gleichberechtigung gibt es erst, wenn Frauen in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik gleichwertig vertreten sind.  

Ich hoffe sehr, dass wir im Jubiläumsjahr 2021 auch in Chur etwas zu feiern haben werden, dass die neue Legislatur des Churer Gemeinderates und Stadtrates mit mehr Frauen eröffnet wird. Es gibt noch viel Luft nach oben, denn heute sitzen gerade einmal 3 Frauen im 21köpfigen Gemeinderat. Nach über 50 Jahren Frauenstimmrecht in Chur muss der Frauenanteil im Churer Parlament endlich näher bei 50 als bei 10 Prozent liegen. Nichts ist unmöglich. Es stellen sich viele Frauen zur Wahl – wir entscheiden.

Herzlich

Ihre
Anita Mazzetta

Gleichberechtigung gibt es erst, wenn Frauen in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik gleichwertig vertreten sind.
Anita Mazzetta, Stadtratskandidatin