Nirgends ist die Diversität grösser als in den Ökosystemen der Tropenwälder. Durch die Zerstörung dieses fragilen Systems, durch Rodung und Abbrennen der Waldflächen, wird zum einen das Klima nachhaltig beeinträchtigt. Selbst aus dem All sind die ungeheuerlichen Brandrodungen zu sehen. Man kann sich beim Betrachten dieser Satellitenaufnahmen vorstellen, welche Mengen an klimaschädlichem CO2 da freigesetzt werden. Aber dazu kommt zum andern ein weiteres, nicht minder verheerendes Phänomen. In den Böden, die plötzlich nicht mehr durch Bäume, Buschwerk und bodendeckende Pflanzen geschützt sind, schlummern Millionen von Mikroorganismen – Viren und Bakterien. Die wenigsten sind dem Menschen überhaupt bekannt, aber man vermutet, dass es darunter sowohl „gute“ wie „böse“ Mikroorganismen hat. Durch die Zerstörung des Ökosystems Regenwald werden diese freigesetzt, springen auf neue Wirte, Menschen oder Tiere, über und können bisher nicht bekannte Krankheiten auslösen und verbreiten.  

„Ach, die Regenwälder sind so weit von uns entfernt“, reden wir uns dann ein. „Das kann doch keinen Einfluss auf unsere Gesundheit hier in Europa haben.“ Wir brauchen unsere Beobachtungen gar nicht auf diese weit abgelegenen Gebiete zu richten. Ähnliches geschieht so zu sagen vor unserer Haustüre. Das EAWAG – das Wasserforschungsinstitut der ETH – ist daran, umfassende Untersuchungen der Böden im Permafrost des Gotthardgebietes zu machen. In den (noch) gefrorenen Böden auf über 2000 bis 2500 müM hat man ähnliche Resultate zutage gefördert. In den Böden des Permafrosts wurden hunderttausende, ja Millionen von Mikroorganismen entdeckt, die dem Menschen kaum oder gar nicht bekannt sind. Und auch da vermutet man, dass es „gute“ und „böse“ Mikroorganismen darunter hat, deren Auswirkungen auf unser Leben, unsere Gesundheit nicht bekannt sind. Wenn nun diese Permafrost-Böden zunehmend auftauen, werden diese Mikroorganismen durch Schmelzwasser und durch Niederschläge aus den Böden ausgewaschen. Sie gelangen über die Bäche und Flüsse ins Grundwasser und damit ins Trinkwasser, über Bewässerungen auf die Böden und mit den grossen Flüssen Rhein, Rhône, Po, Etsch und Donau überall in Europa. Die Folgen sind noch nicht absehbar, weil diese Forschung noch jung ist.

Die Pandemie hat uns zum Innehalten gezwungen. Das Innehalten soll uns auch zum Nachdenken bringen. Es gibt nicht die Probleme einer Pandemie hier und die Probleme des Klimawandels dort. Unser Planet ist ein systemisches Gebilde, auf dem sich die Taten, Sünden oder Unterlassungen auf der einen Seite plötzlich auf einer ganz anderen zu zeigen beginnen. Die Covid-19-Pandemie, die wir glücklicherweise und hoffentlich verhältnismässig gut gemeistert haben, darf uns ruhig über unser Verhalten nachdenken lassen – unser Verhalten, das den Planeten sorgsam nutzen und nicht ausbeuten soll.

Herzlich

Ihre
Anita Mazzetta

Es gibt nicht die Probleme einer Pandemie hier und die Probleme des Klimawandels dort, weil unser Planet ein systemisches Gebilde ist.
Anita Mazzetta, Stadtratskandidatin