Seit dem letzten Mittwoch wissen wir ja, dass die Massnahmen des Bundesrates zum Schutz der Bevölkerung vor den Folgen des Corona-Virus noch bis zum 26. April gelten. Und dann sollen Wirtschaft und Gewerbe und irgendwann dann auch die Schulen und kulturelle Institutionen und Veranstaltungen schrittweise und sorgfältig wieder in die Normalität zurückgeführt werden. Ich bin froh, dass der Bundesrat dem Druck von SVP und FDP nach möglichst schneller Rückführung in den Regelbetrieb nicht nachgegeben hat. Es sollen in diesen Zeiten nicht die Parteipräsident*innen das Sagen haben, da vertraue ich doch lieber den Expert*innen aus Medizin und Wissenschaft, die den Bundesrat als verantwortungsvolles Exekutiv-Gremium in seinen Schritten beraten. Als überzeugte Demokratin bin ich aber auch froh, dass das Notrecht sukzessive wieder in Normalrecht überführt werden kann, dass auch die Parlamente auf allen Stufen wieder zu tagen beginnen.

Wenn ich an die vergangenen Tage und Wochen denke, kommen mir zwei Dinge in den Sinn: Entschleunigung und Verunsicherung. Mit der Verunsicherung möchte ich beginnen: Bei vielen Menschen, die wir alle persönlich kennen, hat die beispielslose Krise, in der wir uns befinden, grosse Probleme oder gar Ängste ausgelöst. Neben der gesundheitlichen Verunsicherung sind viele – vor allem Selbständigerwerbende – von schweren, zum Teil existentiellen wirtschaftlichen Folgen betroffen. Sie müssen grosse Lohneinbussen oder gar ganze Ausfälle der Einkünfte hinnehmen. Unsere solidarische Gesellschaft ist hier gefordert, Netze zu bilden, damit die Betroffenen nicht ins Bodenlose fallen. Nach der Rückkehr zur Normalität sollten wir besonders unser lokales Gewerbe unterstützen, statt international tätigen Online-Händlern zu noch grösseren Gewinnen zu verhelfen.  

Und dann ist da die Entschleunigung. Wir erfahren sie in unserem Alltag. Wir hetzten nicht mehr von Termin zu Termin, sitzen nicht mehr stundenlang im Auto oder im Zug, um an eine Sitzung oder eine Veranstaltung zu fahren. Wir «treffen» uns bei der Arbeit zu Videokonferenzen und staunen, wie effizient und aufs Wesentliche konzentriert plötzlich gearbeitet werden kann. Wenn dann unser Alltag, unser Tun wieder beschleunigt wird, erhoffe ich mir, dass etwas davon beibehalten wird. Auch die Klimaziele dürfen wir beim Hochfahren von Industrie und Mobilität nicht aus den Augen verlieren. Das Klima hat während dem Lockdown eine klitzekleine Verschnaufpause erhalten, aber von einer Rettung sind wie nach wie vor weit entfernt.

Zurück zur Osterzeit: Unser Familienprojekt in dieser entschleunigten Woche ist der Bärlauch. Es ist schon eine Weile her, dass wir in den Wäldern rund um Chur diese tiefgrünen, aromatischen Blätter geerntet haben. Zu Hause haben wir uns einen Vorrat an Bärlauch-Pesto angelegt, für Zeiten, wenn die frischen Kräuter nicht mehr vor der Haustüre wachsen. Und am Abend gab es den feinen Bärlauch Salat mit Speck, Ei und Himbeeressig nach dem Rezept meines Partners. Dem Bärlauch werden ja Zauberkräfte – wahrscheinlich eher Bärenkräfte – nachgesagt. 

Bärenkräfte – ja, die werde ich, wird die Freie Liste Verda in der nächsten Zeit brauchen: im Wahlkampf um den Gemeinderat und den Stadtrat, der sich nun bis in den Herbst hinziehen wird. Die einprägsame Farbe des Zauberkrauts – das kräftige Grün – stimmt mich zuversichtlich.

Alles Gute, und bleiben Sie weiterhin gesund.

 

Ihre Anita Mazzetta

Unsere solidarische Gesellschaft ist jetzt gefordert, Netze zu bilden, damit die Betroffenen der Krise nicht ins Bodenlose fallen.
Anita Mazzetta, Kandidatin für den Churer Stadtrat