Damit Kultur entstehen und die Bevölkerung daran teilhaben kann, braucht es geeignete Kulturräume. Die Kulturstrategie der Stadt Chur macht deutlich, dass es hier Handlungsbedarf gibt. Eine Überraschung ist dies nicht. Bereits vor zehn Jahren wurde die Petition «Kulturraum Chur» eingereicht. Bis heute setzt sich der Verein Kulturraum Chur für die Realisierung eines Kulturzentrums in der Stadt ein. „Bestehend aus vielseitig nutzbaren Räumen und Bühnen soll es allen Menschen Raum bieten, Kultur zu erleben, kulturell tätig zu werden und eigene Projekte und Veranstaltungen umzusetzen“, so der Verein. Seitdem hat die Stadt Chur viel Papier produziert: Die Hochschule Luzern hat eine Studie zum Churer Kulturplatz verfasst. Vorhanden ist auch ein Kultur- und Veranstaltungsraumkonzept. Und nun wurde die Kulturstrategie mit Massnahmen ergänzt. Es hat also genug Strategien, Studien und Konzepte. Jetzt braucht es endlich Nägel mit Köpfen, damit die Raumnot behoben werden kann.

Unbestritten ist, dass Chur ein flexibel nutzbares Theater und eine Probebühne braucht. Konzerträume habe es hingegen genug, steht in der Kulturstrategie. Diese Einschätzung überrascht. Die betroffenen Kulturschaffenden sehen das ganz anders. Die Postremise zum Beispiel ist auf Jahre hinaus ausgebucht. Aus dem Haus zum Arcas hätte ein «Haus der Chöre» entstehen sollen. Doch das Projekt wurde wieder aufgegeben, da die Räume ungeeignet sind. Nur schwach genutzt wird das Kulturhaus am Bienenweg.  Um Musik auf die Bühne zu bringen, braucht es nämlich nicht nur einen Raum. Es braucht auch eine geeignete Akustik, Infrastruktur und zahlbare Mieten. Wie ist es nur möglich, dass die Kulturstrategie bezüglich Kulturraum zu einem ganz anderen Ergebnis kommt?  

Erfreulich ist eine andere Massnahme in der Kulturstrategie: Kultur soll für alle Bevölkerungsgruppen zugänglich sein, insbesondere für Kinder und die fremdsprachige Bevölkerung. Die Beiträge der Kulturvermittlung in der Stadtschule soll darum verdoppelt werden. Diese finanziellen Mittel müssen vom Gemeinderat aber erst noch genehmigt werden. Man erinnere sich: Vor fünf Jahren hat der Gemeinderat die Beiträge an die Musikschule stark gekürzt. Der Musikunterricht wurde damit für die Kinder teurer. Der Zugang zum Musikunterricht wurde damit erschwert.    

Der Zugang zu Musikunterricht, geeignete Probe- und Konzerträume sind Grundvoraussetzungen, damit exzellente Musik entstehen kann. Für andere Kulturbereiche ist das nicht anders. Kulturangebote mit «internationaler Strahlkraft» entstehen so von alleine und müssen nicht, wie in der Kulturstrategie vorgesehen, speziell gefördert werden.  In Chur gab und gibt es zahllose private Initiativen für ein vielfältiges und farbiges Kulturleben. Die Erfahrung zeigt aber, dass sehr viele Kleinkünstler*innen Mühe haben, sich in der Stadt zu etablieren. Es werden ihnen oft viele und hohe Hürden in den Weg gelegt.

Mein Appell an die Verantwortlichen in der Stadt lautet daher: Suchen Sie den Dialog mit diesen Künstler*innen, bauen Sie Hürden und Behinderungen ab, um diese tollen Ideen und Initiativen nicht zu gefährden. Ein aktives und attraktives Kulturleben erhöht nämlich nachhaltig die Standort-Attraktivität von Chur als moderne, lebenswerte Stadt.

Herzlich
Ihre Anita Mazzetta