Stadtratkandidatin Mazzetta
© A.Mazzetta

Das Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Ägäis-Insel Moria ist vor wenigen Tagen komplett abgebrannt. Über 12‘000 Menschen auf der Flucht lebten, vegetierten dort, wo eigentlich nur Platz für etwas mehr als 2‘000 Flüchtlinge gewesen wäre. Die Elenden, die dort eine eigentlich menschenunwürdige Unterkunft gehabt haben, haben selbst diese nicht mehr, haben nichts mehr. Nur noch ihr Leben. 12‘000 Leben, die zu Spielbällen und zum Sinnbild gescheiterter europäischer Flüchtlingspolitik werden, irren seither auf der Insel umher, verlassen und vergessen von allen. Das darf nicht sein.

Moria muss weg. Geschlossen werden. Die Flüchtlinge von dort müssen auf das griechische Festland und von dort auf die Staaten Europas verteilt werden. Jetzt! Der Schrecken und das Elend müssen ein Ende haben. Wenn reiche Länder sich gegen eine Aufnahme sträuben, sich weigern, diesen Menschen zu helfen und argumentieren, eine Verteilung auf europäische Staaten könnte weitere Flüchtende animieren, die Reise der Hoffnung anzutreten, so ist das nur zynisch und menschenverachtend. Die Kantone der Schweiz müssen ein Zeichen setzen. Verschiedene Schweizer Städte haben es schon getan und sich für die Aufnahme zumindest von unbegleiteten Kindern und Jugendlichen aus Moria entschieden.

Jetzt muss Schluss sein mit dem hin- und her spielen der Bälle. Auch Graubünden ist gefordert, darf sich nicht wegducken aus der Verantwortung. Unser Kanton ist seit Jahrhunderten von der Migration geprägt und profitiert in hohem Masse vom internationalen Tourismus. Der Austausch mit den Menschen aus dem Ausland prägt und ernährt uns. Wenn wir nicht jetzt, in Zeiten grösster Not, die humanitäre Tradition aufrechterhalten und unsere ethischen Verpflichtungen wahrnehmen, verlieren wir das Gesicht als weltoffener Kanton. Wegschauen und Nichthandeln gefährdet jetzt Menschenleben. 

Ihre Anita Mazzetta