Die Pflege und Betreuung von älteren Menschen, Kranken und Kindern werden oft unentgeldlich geleistet oder zu tiefen Löhnen. Für die Pflege von Kulturen, Landschaften und Biodiversität gibt es kaum echte Preise. Die «Pflege» eines Hedgefonds hingegen erzielt geradezu astronomische Preise. Öffentliche Güter der Gemeinschaft wie saubere Luft, sauberes Wasser, Artenvielfalt, Sicherheit, Gerechtigkeit und Zusammenhalt haben – so meinen wir – keinen Preis und können vermeintlich ohne Kostenfolge zerstört werden, oder die Kosten dafür werden einfach der Allgemeinheit aufgebürdet. Vielleicht müssten wir uns beim Hochfahren der Wirtschaft nach einer Krise vermehrt die Sinn-Frage, und nicht bloss die Gewinn-Frage stellen. Ich will Kapital und Geld nicht verteufeln, aber sollte Geld nicht vermehrt als Mittel und nicht als Zweck unseres wirtschaftlichen Handelns betrachtet werden?

Ein bedenkenswertes Beispiel ist der Freihandel, die Globalisierung. Sie führen zur Verlagerung von Arbeitsplätzen oder von ganzen Firmenstandorten in Länder oder Regionen, die nicht über die gleichen Grundwerte und Grundrechte verfügen, wie die Staaten, die ihren Standort dorthin verlagern. Die Textilarbeiterinnen in Bangladesch verfügen ja nicht über die gleichen Rechte oder die gleichen sozialen Sicherheiten wie die Menschen in den Ländern, die ihre Arbeitsplätze aus Gründen der Gewinnmaximierung dorthin verschieben. Die tiefen Löhne dort sind ja nur möglich, weil die Arbeiter*innen dort eben genau diese Rechte und Sicherheiten nicht kennen. Kommt dazu, dass dadurch immense Warenströme hin- und her geschoben werden. Auf den Strassen, über die Meere oder in der Luft. Und wie weiter oben beschrieben werden dadurch eben «Gemeinschaftsgüter» wie ein intaktes Klima zulasten der Allgemeinheit belastet, zerstört.

In Krisenzeiten merken wir plötzlich, dass wir uns durch solches Denken und Handeln auch in Abhängigkeiten begeben. Plötzlich stellen wir fest, dass fast alle Grundstoffe zur Herstellung von Medikamenten in Indien oder in China produziert werden, und nicht im «Pharmaland» Schweiz. Und nun fehlen diese hier bei uns. Die übertriebene Globalisierung erschwert auch die Herstellung einfachster Produkte bei uns, so dass wir nicht einmal Gesichtsmasken selber produzieren können. 

Ich hoffe, dass die Bewältigung dieser Krise unser Denken und Handeln wieder vermehrt ins Gleichgewicht bringt. In ein Gleichgewicht, in welchem Wirtschaft und Kapital im Dienste des Gemeinwohls stehen, und nicht das Gemeinwohl im Dienste von Wirtschaft und Kapital.

Herzlich

Ihre Anita Mazzetta

Wir sollten unser Leben und unsere Wirtschaft wieder vermehrt lokaler organisieren.
Anita Mazzetta, Kandidatin für den Churer Stadtrat