Stadtratkandidatin Mazzetta
© A.Mazzetta

Ein deutliches Zeichen in anderer Richtung setzte die Schweizer Stimmbevölkerung vor wenigen Jahren mit der Annahme des revidierten Raumplanungsgesetzes. Schluss mit der Zersiedelung, mit dem masslosen Verbauen des knappen Kulturlandes, das eine Stadt umgibt. Aber was ist denn die Lösung, um eine Stadt sich entwickeln lassen zu können, um sie massvoll wachsen zu lassen? Verdichtung ist das Lösungswort. Aber – welche Verdichtung erträgt eine Stadt wie Chur? Dazu möchte ich zwei Beispiele heranziehen:

Chur West – ein Industrie- und Gewerbequartier, ein urbaner Raum, wo die Verdichtung angesichts des knappen Bodens weiter in die Höhe erfolgen soll, wo Hochhäuser das Bild prägen und urbane Menschen wohnen und arbeiten sollen. Die Entwicklung dieses urbanen Stadtteils geschah auch unter Einbezug interessierter Churerinnen und Churer. Sie wurden in den Prozess miteinbezogen, konnten mitreden und mitentwickeln. Für mich ist Chur West ein gelungenes Beispiel von verdichteter, städtebaulicher Entwicklung.

Auf der anderen Seite, am anderen „Ende“ der Stadt das Quartier Cadonau: hier sollen zwölf Wohnhäuser, die in den 40er-Jahren für Angestellte der psychiatrischen Klinik Waldhaus erbaut wurden, abgebrochen werden. Der Kanton als Eigentümer will es so. Anstelle dieser erhaltenswerten Häuser mit sehr viel Grünfläche und nachsichtiger Bewirtschaftung, die auch zum Lebensraum für viele seltene Tiere und Pflanzen wurde, soll eine grosse Überbauung mit 120 Wohnungen entstehen. Verdichtung also auch. Doch ist das der richtige Ort, das richtige Konzept für Verdichtung? Die Bewohner wehren sich gegen die Zerstörung dieses nach verschiedenen Gutachten als schützenswert eingestuften Lebensraums. Sie starteten eine Online-Petition.

Nicht jedes Quartier, nicht jeder Stadtteil eignet sich gleichermassen für die städtische Verdichtung. Das gilt meines Erachtens für das Cadonau-Quartier. Auch für das neu zu Chur stossende Haldenstein braucht es andere, behutsamere Vorgehensweisen. Und vor allem den Einbezug der Bewohner*innen. Ich bin überzeugt, dass sich die Anwohner*innen  im Cadonau-Quartier nicht prinzipiell gegen jede Verdichtung stemmen. Die Frage ist aber, in welchem Mass und wie diese erfolgen soll. Es kann nicht sein, dass ein Quartier und seine Bewohner*innen einfach vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Das ist weder konstruktiv noch zeitgemäss.

Ihre Anita Mazzetta