Anita Mazzetta feiert im Familienkreis

Privat

1963 wurde ich in Trun geboren. Dort wuchs ich zusammen mit vier Geschwistern in einer romanisch sprechenden Bauunternehmer-Familie auf. Nach der Primar- und Sekundarschule kam ich mit 15 Jahren als Kantonsschülerin in die «grosse» Stadt. Hier in Chur bezog ich mein eigenes Zimmer in einer Wohngemeinschaft, fühlte mich wahnsinnig erwachsen und genoss die Freiheit eines Teenagers. Mit der Matura im Sack zog es mich für mein Romanistik-Studium und die Ausbildung als Gymnasiallehrerin nach Fribourg und Florenz. Schon während des Studiums nahm ich einen Teilzeit-Job als Radioredaktorin an. So pendelte ich ständig zwischen Chur und Fribourg, bis Chur zum festen Wohnsitz wurde.

Zusammen mit meinem Partner bekam ich 1999 eine Tochter. Zu Hause sprechen wir romanisch. Deshalb waren wir froh, dass wir unsere Tochter in der Scola bilingua einschulen konnten. Die Erhaltung der zweisprachigen Schulklassen ist für mich denn auch ein Herzensanliegen. Häufig werde ich von Familie, Arbeit oder Politik in Beschlag genommen. Und wenn ich frei habe, erhole ich mich in den Bergen oder beim Gärtnern. Gerne lese ich Kurzgeschichten und Romane oder jogge am Rhein.

Feier mit politischen Weggefährten nach gewonnener Abstimmung („JA zu Sauberem Strom ohne Kohle“ 2013) © M.Hartmann

Politisch

Politisiert wurde ich als junge Frau in den achtziger Jahren. Frauen- und Umweltfragen standen auch damals im Fokus. Wütend machten mich jene Politiker, die damals den Gleichstellungsartikel in der Verfassung und im Eherecht bekämpften. Fassungslos machte mich auch der Atomunfall in Tschernobyl. Die darauf folgenden radioaktiven Niederschläge über viele Länder Europas kamen bis zu uns! Kurz darauf folgte der Chemieunfall in Schweizerhalle. Über 1000 Tonnen hochgiftige Chemikalien gingen in Flammen auf und verursachten ein gigantisches Fischsterben im Rhein. In den achtziger Jahren gab es aber auch einen grossen Erfolg für die Umwelt. Die Weltgemeinschaft schaffte es, die Ozonschicht durch ein FCKW-Verbot in einem internationalen Abkommen zu schützen.

Und heute? Beim drängendsten Umweltproblem, dem Klimaschutz, warten wir immer noch auf den internationalen Durchbruch. Seit 2000 bin ich WWF-Geschäftsleiterin für den Kanton Graubünden. Dabei setze ich mich für eine dem Menschen dienende Umweltpolitik ein. Seit 2012 bin ich auch im Vorstand von energiefragen.gr für eine klimabewusste, regionale Energiepolitik aktiv.

Mein politisches Engagement

Abstimmungs-Engagement

  • 2005 Bündner Komitee gentechfrei
  • 2008 Bündner Kernteam Beschwerde-Recht abschaffen NEIN
  • 2011 Initiativkomitee kant. Volksinitiative «Ja zu sauberem Strom ohne Kohlekraft»
  • 2013 und 2015 Leiterin kant. Abstimmungskampf Strom ohne Kohlekraft
  • 2014 Komitee Ja zum Churer Sport (GESAK)
  • 2016 Regionale Leiterin Abstimmungskampagne Atomausstiegsinitiative
  • 2017 Regionale Leiterin Abstimmungskampagne Energiestrategie 2050
  • 2019 Komitee Uffa! – Ja zur Brambrüeschbahn
Planungssitzung für das nächste Projekt mit Arbeitskolleginnen

Beruflich                                                                            

Nach 13 Jahren als Redaktorin, Moderatorin und Redaktionsleiterin bei Radio Televisiun Rumantscha (RTR) sowie als Regionalkorrespondentin beim Schweizer Fernsehen gab es kurz vor dem neuen Millennium einen grossen Wechsel in meinem Leben. Um Zeit für meine Tochter zu haben, entschied ich mich für eine Teilzeitanstellung und einen Berufswechsel. Ich übernahm die Geschäftsleitung der WWF-Sektion Graubünden und leite heute ein Team von vier Teilzeit-Angestellten, die wie ich Job und Familie unter einen Hut bringen.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist in unserer Organisation selbstverständlich. Die dafür nötige familienergänzende Kinderbetreuung  liegt mir seither speziell am Herzen. Zudem unterstütze ich den ehrenamtlichen Vorstand und motiviere und mobilisiere Dutzende von Freiwilligen für den Umweltschutz.

Berufliche Stationen

  • 1991 Lizenziat an der Philosophischen Fakultät Fribourg
  • 1992 Diplom Gymnasiallehrerin
  • 1987-1993 Radioredaktorin RTR
  • 1993-1997 Fernsehredaktorin und Redaktionsleiterin RTR
  • 1997-2000 Regionalkorrespondentin SF
  • 2000-heute Geschäftsführerin WWF Graubünden
Freiwilligeneinsatz
Freiwilligeneinsatz auf einem landwirtschaftlichen Betrieb © Yannick Andrea

Freiwillig engagiert

Solidarität, Integration und Chancengleichheit bringen Stabilität und garantieren ein friedliches Zusammenleben. Dazu tragen auch die vielen freiwillig engagierten Menschen bei. Sie machen unser Leben menschlicher und bereichern durch das vielfältig eingebrachte Wissen. Jeden Tag sehe ich, welchen unverzichtbaren Beitrag Freiwillige leisten. Gerade während der Corona-Krise wurde das deutlich. Viele Dienstleistungen in den Bereichen Soziale Wohlfahrt, Gesundheit, Umweltschutz, Kultur, Sport, Politik, Kirche oder in der Nachbarschaftshilfe gäbe es ohne sie nicht, weil sie unbezahlbar wären. Das Gesamtvolumen der Freiwilligenarbeit in der Schweiz kommt auf rund 75% aller bezahlten Arbeitsstunden im Gesundheits- und Sozialwesen. Als Gründungsmitglied und Stiftungsrat von Benevol Graubünden setze ich mich seit 2007 für die Unterstützung und Förderung der Freiwilligenarbeit ein. Für mich ist klar: Freiwilligenarbeit muss auch in Chur unterstützt und wertgeschätzt werden. Das Projekt für ein «Haus für Vereine und Freiwilligenarbeit», an dem ich mitgearbeitet habe, wurde beim Wettbewerb für das Haus zum Arcas leider nicht berücksichtigt. Das Anliegen ist damit aber nicht vom Tisch, umso mehr als St. Gallen genau diese Idee jetzt umsetzt.

Mein freiwilliges Engagement

Weiteres Engagement

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